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Geschichte des Ortes
Woher das Dorf Coppengrave seinen Namen hat, ist nicht ganz
sicher. Archivmaterial lässt zwei unterschiedliche Deutungen zu.
Laut einer dieser beiden Theorien könnte die Namensgebung aus einem
"adeligen Streit" resultieren. So soll Graf Heinrich von der Homburg,
entgegen dem Befehl seines Vaters, Geistlicher zu werden und in einen Mönchsorden
einzutreten, die väterliche Burg verlassen haben, um im Krieg Ruhm und Beute zu
erlangen. Reumütig kehrte er nach Jahren in die väterliche Burg zurück, wurde
aber von seinem Vater der Burg verwiesen und enterbt. Heinrich verließ mit nur
wenigen Getreuen die Homburg. Er wandte sich ostwärts und ließ sich auf dem
Kamm des Hilses von seinen Getreuen überreden hier eine Burg zu bauen. Der
genaue Standort dieser Burganlage lässt sich aber heute nicht mehr nachweisen.
Im Laufe der Jahre siedelten sich dann im Schutze dieser- Burg -
wenngleich weit unterhalb des Kammes - einige Köhler und Pflanzensucher an.
Den Grafen nannten sie den "Grafen auf dem Koppe" (auf der
Bergspitze) oder den, Koppegrafen", ihre Siedlung war für sie folglich die
des Koppegrafen. Später entwickelte sich daraus Koppengraf oder auch
Coppengraff und Coppengraben. Sollte diese Deutung richtig sein, dann ist das
Dorf mit einiger Sicherheit im Jahr 1200 entstanden.
Nach einer anderen Auslegung sollen um das 13. Jahrhundert herum am ganzen
Hang des Hilses entlang in weiten Abständen Köhlerhütten gestanden haben. Aus
reinen Sicherheitsgründen schlossen sie sich zu einer Siedlung, die im Schutze
einer Fliehburg, der Gleneburg, lag, zusammen. Aus einer Blockhaussiedlerstraße
entstand eine Gemeinschaftssiedlung. Später soll diese Siedlung mit einem
starken Palisadenzaun umgeben worden sein. Die Köhler brannten in ihren Meilern
Holzkohle für die alten Haustöpfereien und alten Waldglashütten. Rund um die
Gemeinschaftssiedlung wurde der Wald gerodet und das Land gegraben, um Ackerland
für die Einwohner zu schaffen.
In der Region nannte man diese neue Siedlung die Grabung unter dem Koppe,
die Koppegrabung. Später wurde daraus die Bezeichnung für den Ort Koppengraben
(auch Copengraben) und Coppengraff. Verbrannte Erdschichten, die auch heute noch
nachweisbar sind, zeugen tatsächlich von einer Köhlersiedlung. Diese muss aber
800 bis 1000 Meter weiter südöstlich des heutigen Dorfes gelegen haben. Auch
alte Chroniken und die (Geschichte der welfischen Herzöge, die ja während der
vergangenen Jahrhunderte in der hiesigen Region herrschten, beweisen, dass das
alte Dorf tatsächlich weiter südöstlich gelegen hat. Vermutlich war es eine
Pest während des 15. Jahrhunderts, die die wenigen Überlebenden zur Umsiedlung
auf das heutige Dorfgebiet zwang. Dabei nahmen sie offenbar Balken aus der alten
Siedlung mit, denn noch bis Ende der 5Oer Jahre wurden mehrfach beim Abbruch
alter Häuser oder bei Anbauten alte Eichenbalken freigelegt, die nur aus dem
alten Dorfe stammen können. Diese Balken waren nämlich handgerecht behauen und
mit entsprechenden Jahreszahlen versehen.
Wahrscheinlich wurde das alte Dorf - wie schon eingangs erwähnt - etwa
Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet. Ihren Lebensunterhalt verdienten sich
die Einwohner in jenen Jahren vorwiegend mit Kohlenbrennen, Holzschlagen, etwas
Töpferei und als Salzträger des Paderborner Bischofs.
Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Coppengrave datiert aus dem
Jahre 1400. In diesem Jahr ist der Ort als "Kobbengraff" in einer
Handschrift des Domstifts Sankt Blasü zu Braunschweig belegt, die im Niedersächsischen
Staatsarchiv unter der Signatur VII B Hs 17 verwahrt wird. Die Handschrift
selbst stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Lange Zeit galt eine Pfändungsurkunde aus dem Jahre
1426 als erste urkundliche Erwähnung. Sie beweist, dass der Ort Tei1 der
Herrschaft Hohenbüchen war, die wiederum ehemals den Grafen von Homburg gehörte.
Der letzte der Homburger Grafen (Graf Heinrich, Friedrich, Johann VIII. von
Homburg) starb allerdings schon im Jahre 1409.
Mit ihm erlosch der männliche Zweig der Homburger und damit auch der
Name. Der größere Tei1 der Homburger Herrschaft fiel an das Haus der
Welfenherzöge, ein kleinerer Teil an den Bischof von Hildesheim. Im Testament
des letzten Homburgers war das Amt Hohenbüchen (und damit das Dorf Cobbengraff)
seiner Witwe Schonette von Nassau als sogenannte "Leibzucht"
verschrieben. Diese verstand es anscheinend nicht, mit diesem Nachlas gut zu
wirtschaften.
So sah sie sich im Jahre 1426 gezwungen, diesen Besitz zu verpfänden. Da
sie sich mit den Welfenherzögen nicht vertrug, verpfändete sie das Amt Hohenbüchen
an den Bischof Magnus von Hildesheim. Die Urkunde hierüber ist ausgestellt
unter dem 21. September des Jahres 1426. Auch sie ist noch vorhanden und
befindet sich ebenfalls im Niedersächsischen Staatsarchiv. Es ist der Schonette
von Nassau niemals mehr gelungen, ihr Amt Hohenbüchen jemals wieder einzulösen.
Im Jahre 1462 belehnte der Hildesheimer Bischof die Herren von Wrisberg
(Herren auf dem Gute Brunkensen) mit dem Amte Hohenbüchen. Diese verbanden die
Orte Brunkensen und Coppengrave zu einer sogenannten "Grundherrschaft"
(Form des mittelalterlichen Großgrundbesitzes).
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte aber konnten die Hildesheimer Bischöfe
diese Besitztümer nicht halten. Nach ewigen Streitereien mit den umliegenden
Herzögen verloren sie das Grundamt Brunkensen an die welfischen Herzöge. Aber
auch diese gerieten um die Oberlehenherrschaft in einen langandauernden Streit.
Es waren die Oberhäupter der beiden Zweiglinien Wolfenbüttel und Celle. Herzog
Heinrich der Jüngere von Wolfenbüttel entschied schließlich diesen Streit für
sich, indem er die Orte im Jahre 1521 durch Waffengewalt an sich riss.
Die Wrisberger protestierten daraufhin - allerdings erfolglos - vorm
deutschen Fürstentag. Erst nach rund 200 Jahren - im Jahre 1713 - wurde ihnen
der Ort Cobbengraff zurückgegeben, nachdem schon 1635 durch den Übergang
Wolfenbüttels an die jüngere Linie des Welfenhauses der Streit um die
Oberlehenherrschaft beilegt worden war.
Von nun an bleibt der Ort in der Herrschaft der welfischen Herzöge und später,
ab 1918, im Lande Braunschweig. Im Oktober 1941 wurde der Ort mit dem gesamten
Kreis Holzminden ins Land Hannover (Regierungsbezirk Hildesheim) eingegliedert.
Häufig war der Ort allerdings noch Zankapfel
zwischen den damaligen Ämtern Lauenstein und Greene - Hohenbüchen. Die
Siedlung Coppengraben lag nämlich dicht an der Grenze der beiden Ämter. Diese
Grenze verlief zwischen den Orten Duingen und Coppengraben, hart am nördlichen
Rande des letzteren. Sie war durch eine Landwehr (Erdwall mit Wachtürmen) auf
der Lauensteiner Seite befestigt.
An der Straße zwischen den beiden Dörfern waren noch Ende der 50er Jahre
Grundmauerreste eines Turmes zu sehen. Nachforschungen haben ergeben, dass sich
wahrscheinlich ein drei bis vier Meter hoher Erdwall voll den östlichen Hängen
des Hilses quer durchs Tal zu den westlichen Hängen des Duinger Berges zog.
Beim Durchbruch der Straße Coppengrave - Duingen durch den Grenzwall sowie an
den Anschlussenden bei den Höllenzügen war dieser Wall wahrscheinlich durch hölzerne
Wachtürme gesichert.